Nowhere ist eine entstehende Landschaft. Nowhere empfängt über das Internet einen Datenstrom mit den aktuellen Sucheingaben der Suchmaschine www.metager.de. Die empfangenen Daten werden interpretiert und in eine Topographie übersetzt. Die sich ständig ändernde Topographie wird von einer CNC-Fräse in einen Hartschaumblock übertragen. Die Nutzer der Suchmaschine erodieren mit ihren Suchbewegungen Flüsse, Schluchten und Täler. Suchanfragen die nur für den Bruchteil einer Sekunde durch das Internet schießen und eine Antwort auf den Bildschirmen der Suchenden generieren, lassen die Maschine eine ständig wachsende Skulptur in den Raum schreiben. Der kontinuierliche Strom unterschiedlicher Suchanfragen bestimmt Form und Rhythmus dieses Prozesses.

Nowhere besteht aus der eigentlichen CNC-Maschine und einer Software, die auf einem PC installiert ist. Die Software greift über das Internet auf den aktuellen Datenstrom der Suchmaschine Metager zu. Metager wird vom Rechenzentrum der Leibniz Universität Hannover betrieben. In Kooperation mit Metager wurde für Nowhere ein Zugang eingerichtet, über den die aktuellen Sucheingaben (Suchbegriffe und IP-Adresse ohne das 4. Byte aus Datenschutzgründen) abgerufen werden können. Alle eintreffenden Daten werden in einer Datenbank gespeichert. Mit Hilfe eines Routenverfolgungsprogrammes (Traceroute) wird ermittelt über welche Knotenpunkte die Anfrage vom Suchenden zur Suchmaschine gelangt ist. Gleichzeitig liefert das Traceroute auch Informationen über die Laufzeiten zwischen den einzelnen Netzknoten. Durch eine gewichtete Zufallsfunktion wird jedem Knotenpunkt, proportional zur Laufzeit und relativ zu seinen Nachbarknoten, eine 2-dimensionale Koordinate zugeordnet. Durch das Verbinden der einzelnen Koordinaten ergibt sich ein Pfad, der vom Rechner des Suchenden zur Suchmaschine verläuft. Die Koordinate der Suchmaschine ist fest in der Mitte der Landschaft verortet. Die eigentlichen Suchbegriffe werden als Quellzuflüsse an den Anfang des Pfades gesetzt. Häufigkeit und Buchstabenfolge der eingegebenen Worte pr‰gen Tiefe und Form der Quellzuflüsse. Die Tiefe der Landschaft bildet die Benutzungshäufigkeit der verschiedenen Knotenpunkte im Netz ab. Die Breite der Erosion ist proportional zur Tiefe. Häufig verwendete Netzknoten wie z.B. die Gateways von Internetprovidern lassen tiefe und breite Gräben entstehen. Je n‰her sich ein Knoten an der Suchmaschine befindet desto tiefer/breiter ist der Graben. Die maximale Tiefe wird an der Suchmaschine erreicht. Erst nachdem der Pfad für eine Anfrage errechnet wurde wird dieser in das Material übertragen. Ein Pfad entspricht einer Menge von Punkten die durch die Maschine entfernt werden müssen. Die Übertragungsdauer hängt von der Anzahl der einzuschreibenden Punkte ab. Für das übertragen eines Punktes in den Materialblock wird jeweils ein neues Suchwort von Metager abgerufen: Je mehr Anfragen bei Metager eintreffen, desto schneller arbeitet die Maschine. Hierdurch wird die tägliche Nutzungsfrequenz sichtbar. Die Maschine arbeitet somit tagsüber schneller als nachts. Sind alle Punkte eines Pfades in das Material geschrieben wird eine neue Routenverfolgung für eine Abfrage gestartet. Dieser Prozess wird über den gesamten Ausstellungszeitraum wiederholt. Mit dem Ende der Ausstellung ist die Herstellung eins Reliefs abgeschlossen. Der Ausstellungszeitraum bestimmt die Entwicklungsstufe der fertigen Skulptur.