Idris Khan, geboren 1978 in Birrningharn, England, lebt und arbeitet in London. Seit seinem Abschluss arn Royal College of Art in London 2.004 haben zahlreiche internationale Institutionen dem Künstler Einzelausstellungen ausgerichtet, darunter die Göteborg Konsthall in Göteborg, Schweden (2.on), das Museum of Contemporary CanadianArt, Toronto, Kanada (2.009), unddas K2.o inDüsseldorf(2.0o8). Khan waraußerdemteilnehmend in mehreren Gruppenausstellungen u.a. im Forum d’art Contemporain, Luxembourg (2.0o8), im Victoria and Albert Museum, London (2.0o6), im San Francisco Museum ofModem Art (2.0o6) und in der Helsinki Kunsthalle (2.005). Arbeiten des Künstlers sind in vielen renommierten öffentlichen Sammlungen zu finden , u. a. der National Gallery of Art, Washington, D.C., dem San Francisco Museum ofModernArt, dem Centre Pompidou, Paris, und dem Solomon R. Guggenheirn Museum, NewYork City.
Inspiriert von Twomblys Schnappschuss dokumentierte Idris Khan seine eigenen, auf eine Kreidetafel aufgetragenen skriptmalen Zeichnungen. Auch Khans Zeichensystem bietet dem dechiffrierenden Blick des Betrachters keine eindeutige Lesbarkeit, auch seine Linien und Kringel verbleiben stets im Code der Zeichnung. Die in der für Khan charakteristischen Bildschichtungstechnik entstandenen, fotografischen Arbeiten zeugen sowohl von den Spuren noch erkennbarer Zeichen als auch von deren unmittelbarer Auslöschung. Durch die digitale Überlagerung werden die über einen Zeitraum entstandenen digitalen Reproduktionen von Khans zeichnerischem Prozess in eine Simultanität übertragen, die Idee linearer Zeit scheinthier aufgehoben zu sein. Khans rhythmisch verwobene Zeichennotationen lagern sich übereinander und verdichten sich, sie überdecken sich gegenseitig, so als müssten sie das Geschriebene unlesbar machen. Die Kodierungvon Botschaften und Schrift als Medium der Wissensspeicherung macht der Wandarbeit, die er im Eckraum der Galerie realisiert. Auch die von dem Künstler hier radial mit einem Stempel aufgetragenen Schriftzüge sind so übereinandergeschichtet, dass der eigentliche Text nur noch schwer entzifferbar ist. Während der Künstler in seinen früheren Arbeiten häufig auf Schriften des Islam zurückgriff, verwendet er hier ein Werk des spätmittelalterlichen Theologen Meister Eckhart. Die von Khan repetitiv aufgetragenen Schriftzüge entsprechen in ihrer zirkulären Form dem von dem Dominikaner in seinen Texten verhandelten Verständnis von Zeit und Ewigkeit.
Seit seinem Abschluss am Royal College of Art in London 2004 hat Idris Khan in den Medien Fotografie und Video ein unverwechselbares Oeuvre von beeindruckender Konsequenz geschaffen. Mit den heutigen Möglichkeiten der Bildbearbeitung erforscht Khan intermediale Beziehungen im digitalen Zeitalter und greift dabei auf unterschiedlichste Quellen der Kulturgeschichte zurück. Partituren von Bach und Beethoven dienen dabei ebenso als Referenzen wie Gemälde von Caravaggio und die Fotografien von Bernd und Hilla Becher. In einer Mischung aus Appropriation und künstlerischer Neuschöpfung lagert der Künstler digitale Reproduktionen übereinander und verdichtet sie so zu einem einzigen Bild. Die Transparenz der einzelnen Schichten lässt das ursprüngliche Werk in den Hintergrund treten. Auf der fotografischen Oberfläche zeichnen sich lediglich dessen Spuren und Schatten ab, die sich einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen.
In den letzten Jahren hat Khan begonnen, auf eigenes Material zurückzugreifen, und hat sich verstärkt der Zeichnung und der Skulptur zugewandt. Als Ausgangspunkt seiner neuen Arbeiten, von denen die Ausstellung in der Galerie Thomas Schulte etwa 17 zeigen wird, diente Idris Khan eine Fotografie von Cy Twombly, die dieser in den 6oer Jahren von einem seiner ‚Blackboard paintings‘ anfertigte. In einer Weiterführung des Abstrakten Expressionismus trug Twombly für diese Werkgruppe seine schriftzugartigen Zeichnungen in Kreide auf einen dunklen, einer Schiefertafel ähnlichen Malgrund auf.



