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Im Laufe der Jahre wurde der Künstler immer folgerichtiger Organisator seiner Funde. Fund-Stücke regen ihn auf, regen ihn an.
Er läßt sie unverändert. Mit wenigen Zutaten wird bis dahin unsichtbarer, nicht vorstellbarer Sinn ausgereizt. Die Funde sind ziellos gezielt gesucht- ein schwer auflösbarer, nicht unbedingt logischer Vorgang. Das Arbeitsziel irrlichtert; Paul Pfarr kreist es suchend, findend ein: Es gilt, aus aufgegebenen, abgelegten Materialien Spuren oder Elemente weiterwirkenden Lebens zu sichern- so ist der Künstler Paul Pfarr immer unterwegs … .
Er weiß instinktiv wie intellektuell, was er will, was er braucht; er findet, was er sucht; und was er suchen will, findet er auch: Moränen-Steine, vom Wind geschliffen, sog. „Windkanter“, Maschinenteile, Reste von Einrichtungsgegenständen -Tische. Ein Sammelsurium querfeldein von natürlich gewordenen oder von von Menschenhand gemachten Dingen, weggeworfen oder aussortiert.
Seine Hinzufügungen, seine Montagen und dann das Inszenieren der so veränderten Dinge überführen diese folgerichtig und ohne Krampf in einen anderen ästhetischen Aggregatzustand.“Gammel“ wird Kunst. Keine erhabene auf hohem Sockel, die blank und glänzend Staunen macht. Staubige, lebenssatte, von Alters- und Geschichtsspuren noch und noch gezeichnete Dinge liegen, stehen da.
Sehgewohnheiten, Erwartungshaltungen werden nicht bequem bedient. Der Betrachter hat vor sich weder Bedeutungsschwangeres, noch sieht er demonstrative oder erzieherische Gesten. Paul Pfarrs Objekte sind nicht mehr und nicht weniger als sie selbst. Ihr ehemaliger Gebrauchswert schlug in den absoluter Anschauung um. Dinge, die vordem vollkommen kunstlos, trivial und natürlich zu benutzen waren, verwandelte der Künstler in Objekte, die entschieden sinnlos sind, die Kraft des an sie gebundenen assoziativ fassbaren Sinnes den Betrachter fordern wie fördern.
Diese Arbeiten gehören in ein Kunst-Kapitel, das Marcel Duchamp eröffnete,Joseph Beuys noch und noch erweiterte. Eine radikal zeitverfallene Kunst. Dies mindestens dreifach: Es werden „fertige“, teils neue, teils gebrauchte zeitgenössische Dinge verarbeitet; die erarbeiteten Objekte und ihre Inszenierung stehen in Spannung zum herrschenden Mainstream; ihr Verfallensein an die Dialektik zwischen alt und neu, ihr Schwanken zwischen ehemaligem Sinn und jetzigem artistisch gestifteten Un-Sinn ist zeithaltiger als aller rinnender Sand der Erde. Arbeiten dieser Art erscheinen unbequem, sind nicht ästhetisch-glatt zu konsumieren. Sie als Herausforderung in mit granitenen Glanzplatten ausgelegte Eingangshallen zu stellen, erfordert Mut, der in der Regel an Pläsierlichkeiten orientierten Kunstfreunden fehlt. Denn die die europäische Bildtradition so nachhaltig prägende, mit Schädel, Stundenglas, Sense arbeitende Todesallegorik, die eindringliche karge Farb- und Requisitensprache spanischer Vanitas-Stilleben sind aufgegeben. Aufgegeben zugunsten einsehbarer Alltäglichkeit, auf nichts wird mahnend mehr verwiesen, nichts wird verheißen. Rien ne va plus. Tabula rasa.
Ich habe Paul Pfarr, im Zuge meiner Suche nach geeigneten Räume für meine Kunstsammlung kennen gelernt. Er hatte damals eine Etage im vierten Stock eines Atelier-Hauses am Nonnendamm, im Niemandsland. Großartig!!!
Paul war damals am Auflösen der Etage, da er schon neue Räume außerhalb von Berlin hatte und suchte nach einem Nachmieter. Ich war von den Räumlichkeiten und von der Lage des Haus sehr angetan. Leider konnte ich mich mit den Eigentümer nicht einigen, schade aber ich hatte Paul Pfarr kennen gelernt und einige Arbeiten von Ihm erworben.
Hätte ich die Etage übernommen, hätte ich auch einige großformatige Werke von ihm übernommen. Leider hat dass nicht geklappt und es blieb nur bei kleineren Arbeiten, Skizzen und Motive von größeren Arbeiten. Pauls taktile Materialbilder und Skulpturen stehen in der Tradition der Arte Povera, wie z.B. auch bei Raffael Rheinsberg.
Als ich vom Tod von Paul Pfarr, durch seine Frau informiert wurde, konnte ich mich nicht so verhalten, wie es nötig gewesen wäre.
Ich bedaure das sehr.










